Wenn das Orakel nicht die richtige Vorhersage macht…

Auf Spiegel Online konnte man heute lesen, dass Standard & Poor’s für ihre fälschliche Ankündigung, Frankreichs Kreditwürdigkeit herabzustufen, büßen sollen.

Dazu kann ich nur sagen: Ich verstehe es nicht. Rating-Agenturen geben ihre Einschätzung von der Kreditwürdigkeit eines Staates/Unternehmens an. Also, sie äußern sozusagen ihre Meinung. Damit können sie natürlich richtig oder falsch liegen.

Nun gibt es für Anleger zwei Möglichkeiten: Entweder, sie glauben, dass die Einschätzung der Agentur stimmt, und investieren entsprechend, oder sie glauben der Einschätzung nicht und investieren ihr Geld anders. Niemand muss sich an die Empfehlungen halten.

Wenn man die Rating-Agenturen nun also “büßen lässt”, dass sie die Kreditwürdigkeit eines Staates niedriger einschätzen als der fragliche Staat das gerne hätte, dann lässt man sie also im Zweifelsfall dafür büßen, dass sie die Wahrheit sagen. Man zwingt sie sozusagen dazu, zu lügen. Dadurch würden die Agenturen natürlich jede Glaubwürdigkeit verlieren, und kein Investor mit ein wenig Verstand würde sich mehr auf deren Einschätzung verlassen. Damit hätte also der Staat nichts gewonnen. Er hätte nur den einzigen Indikator verloren, der ihm seine eigene Glaubwürdigkeit (und um die geht es ja am Ende) anzeigen kann.

Es ist wie bei dem Kaiser und dem Kind. Nur, dass man das Kind verprügeln lässt…

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